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Familienpolitik in den Niederlanden
Seit dem Antritt des vierten Kabinetts Balkenende im Februar 2007 gibt es in den Niederlanden zum ersten Mal ein Ministerium, das für die Jugend- und Familienpolitik zuständig ist. Der niederländische Familienminister André Rouvoet (Christenunion) hat die „Chance für eine gesunde Entwicklung für alle Kinder“ als Schwerpunkt seiner Politik benannt. Ziel ist es, den Kindern eine gute Erziehung zu ermöglichen. Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es fünf Entwicklungsbedingungen, ungeachtet des kulturellen Hintergrunds oder der körperlichen Entwicklung eines Kindes.
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Gesund aufwachsen: körperliche und geistige Gesundheit, ein gesunder Lebensstil, Kontinuität in der Erziehung und Versorgung;
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Sicher aufwachsen: Geborgenheit, bedingungslose Liebe, Respekt, Aufmerksamkeit, Grenzen, Struktur, Beständigkeit, Sicherheit zu Hause (Schutz vor Gewalt, Misshandlung, sexuellem Missbrauch, Sicherheit außerhalb der häuslichen Umgebung;
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Gesellschaftliches Engagement: einen aktiven Beitrag leisten, mitdenken und mitmachen, sich einbringen im unmittelbaren Umfeld, positives Verhalten, bürgerschaftliches Engagement;
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Talente entwickeln und Spaß haben: Spaß und Interesse am Lernen haben, Hobbys ausüben, sportliche Aktivität, kulturelles Interesse, aktive Freizeitgestaltung, Raum zum Spielen;
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Vorbereitung auf die Zukunft: einen Schulabschluss machen, eine Arbeitsstelle finden, den Lebensunterhalt bestreiten können, anregendes Umfeld.
Im Rahmen der Familienpolitik will die niederländische Regierung einigen Aspekten besondere Aufmerksamkeit widmen und hat daher ein Maßnahmenprogramm entwickelt. Das Programm fußt auf drei Grundsätzen:
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Der Familie wird eine wichtige Rolle eingeräumt;
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mehr Prävention, so dass Probleme früher erkannt und bewältigt werden können;
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bei problematischen Situationen keine Unverbindlichkeit mehr.
1. Die Rolle der Familie Allen Familien werden Erziehungshilfen zur Verfügung stehen. Bis 2011 soll ein flächendeckendes Netz aus sogenannten „Zentren für Jugend und Familie“ entstehen, damit Eltern sich mit ihren Fragen an eine Beratungsstelle in ihrer direkten Umgebung wenden können. Alleinerziehende Eltern und Familien in Scheidung können sich für gezielte Beratungs- und Hilfsangebote zur Kindererziehung an die Zentren wenden. In einem „Elternplan“ müssen die Eltern vor der Scheidung Vereinbarungen über die Erziehung ihrer Kinder treffen. Für alle Probleme innerhalb einer Familie gibt es einen Gesamtplan und eine Anlaufstelle („eine Familie, ein Plan“), damit die Probleme nicht unabhängig voneinander, sondern parallel gelöst werden.
Eltern erhalten eine einkommensabhängige kinderbezogene Beihilfe zu den Erziehungskosten (das sogenannte „kindgebonden budget“). Im Falle einer Überschuldung erhalten Familien Unterstützung und wird zuerst eine Lösung für die Kinder gesucht, bevor z.B. die Grundversorgung mit Wasser und Strom eingestellt wird.
In den sogenannten breiten Schulen, die Institutionen wie Grundschule, Kindertagesstätte, und andere soziale Dienste unter einem Dach vereinen, können Kinder Sport treiben, Kreativität entwickeln oder lernen. Zudem werden diese breiten Schulen gezielt an ausländische Familien mit großer kultureller Distanz zur niederländischen Gesellschaft herantreten.
2. Prävention Die Probleme der Kinder und Familien müssen frühzeitig erkannt werden, damit verhindert wird, dass sich später schwerwiegendere Problemen einstellen. Dazu nimmt die Jugendgesundheitsfürsorge für jedes Kind in den ersten vier Jahren nach der Geburt eine Risikoanalyse hinsichtlich verschiedener Erziehungs- und Entwicklungsprobleme vor und ergreift gegebenenfalls Hilfsmaßnahmen. Fachkräfte werden gezielt geschult, damit sie Entwicklungsprobleme, Gewaltanwendung und sexuellen Missbrauch erkennen. Zudem müssen Fachkräfte, die mit Kindern arbeiten, bereits vorliegende, für die Gesundheit und Sicherheit des betreffenden Kindes relevante Informationen über das Kind oder die Familie haben. Zu diesem Zweck wurden die elektronische Kinderakte und das Register über Meldungen für gefährdete Jugendliche ins Leben gerufen. Auch die Schulen und die Leistungserbringer der spezialisierten Jugendhilfeangebote erhalten diese Informationen. Schulen erkennen und melden auftretende Verhaltens- oder Entwicklungsprobleme.
3. Keine Unverbindlichkeiten mehr Zur Lösung von Familienproblemen oder Problemen mit Kindern tragen viele Akteure bei: Eltern, Fachkräfte, Behörden und die Kinder selbst. Jeder muss seinen Teil der Verantwortung übernehmen, wenn es Hinweise dafür gibt, dass ein Kind oder eine Familie mit Problemen kämpft. Es darf dann keine Unverbindlichkeit mehr geben.
Eltern tragen die erste Verantwortung für die Erziehung ihrer Kinder. Ist jedoch die Sicherheit, Gesundheit oder Entwicklung eines Kindes in Gefahr, müssen die Eltern entsprechende Hilfsangebote akzeptieren. Tun sie das nicht, wird an sie herangetreten um sie von der Notwendigkeit der Hilfsmaßnahmen zu überzeugen, oder, notfalls, mit Hilfe eines richterlichen Beschlusses zur Mitarbeit zu zwingen.
Fachkräfte spielen in der Jugend- und Familienpolitik eine entscheidende Rolle. Wenn die Gesundheit oder die Sicherheit eines Kindes gefährdet ist, müssen sie schnell und effektiv tätig werden können. Sobald zwei oder mehr Leistungsanbieter bei der Betreuung einer Familie aktiv werden, müssen sie automatisch zusammenarbeiten, wobei einer der Anbieter die Koordinierung übernimmt. Es gibt für Eltern eine Anlaufstelle und die Leistungserbringer greifen auf dieselben Informationen zurück. Die Betroffenen werden nicht stets an eine andere Stelle verwiesen, sondern werden selbst aufgesucht.
Gegen Jugendliche, die Probleme verursachen, wird nach dem Ansatz verfahren, der auf das gesamte Umfeld des Jugendlichen abzielt und damit auch die Familie, Freunde und die Schule miteinbezieht. Dieses Verfahren kann zwingend vorgeschrieben werden. Für Jugendliche ohne Aussicht auf eine Ausbildung oder Beschäftigung, die in die Kriminalität abzurutschen drohen, werden Camps eingerichtet, die auf Erziehung, Schulung und das Finden einer Arbeitsstelle ausgerichtet sind. Jugendliche unter 18 Jahren sind verpflichtet, sich zu qualifizieren.
Die elektronische Kinderakte, in der Informationen über ein Kind und seine Umgebung aufgenommen ist, und das Register für Meldungen über gefährdete Jugendliche werden zum 1.1.2009 eingeführt.
Weitere Informationen erhalten Sie beim niederländischen Ministerium für Jugend und Familie: www.jeugdengezin.nl Für das Maßnahmenprogramm für Jugend und Familie 2007-2011, klicken Sie hier.

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